Skeptizismus in Wirtschaft und Technik
Skeptiker beschäftigen sich zu sehr großen Teilen mit BigFoot, Homöopathie, Geistern, UFO’s, Granderwasser, etc.pp.
Worüber man allerdings eher selten etwas liest sind die ganzen pseudowissenschaftlichen Dinge die in Wirtschaft und Technik vor sich gehen.
Natürlich könnte man hier gleich an Astrologie und Graphologie denken, welche sicherlich bei so manchen Einstellungsentscheidungen immer noch ein Wörtchen mitzureden haben. Das fällt allerdings sowieso in einen Bereich mit dem sich Skeptiker in der Regel häufiger befassen.
Ich denke da eher an Sachen wie Chartanalyse. Also der Versuch aus vergangenen Börsenkursen den zukünftigen Börsenkurs ablesen zu können. Eine Technik der sich viele Leute bedienen, auf mich aber trotzdem immer ein wenig wie Astrologie wirkt. Ja allein schon die Annahme es gäbe Leute die auf Grund welche Kriterien auch immer aktiv Aktien auswählen können welche sich besser entwickeln als der allgemeine Markt wird offenbar von vielen wissenschaftlichen Untersuchungen in Frage gestellt und damit quasi der gesamte Markt der aktiv verwalteten Fonds (und damit vermutlich ein Großteil aller Fonds).
Geht man in Richtung Technik fällt mir als erstes der ganze Bereich der hochpreisigen Audiokomponenten ein. Da sollen gute Kabel für die Digitalverbindung einen klareren Bass bewirken (was schon rein theoretisch nicht möglich sein sollte), da soll man Lautsprecher mit der Musik “einspielen” die man später hören will oder es wird sogar behauptet man müsse die Lautsprecherkabel “einspielen” und es werden extra Geräte um mehrere tausend Euro angeboten um bereits verwendete Kabel wieder zu “entspielen”.
Und dann gibt es natürlich immer noch die große Menge an Leuten die behaupten, dass komprimierte Musik selbst in guter Qualität immer schlecht klingt, was sich aber meines Wissens in gut durchgeführten Doppelblindexperimenten bis jetzt immer als haltlos herausgestellt hat.
Warum beschäftigen sich also eher wenig Skeptiker mit diesen Themen? Vielleicht erscheinen solche Sachen auf den ersten Blick zu klar. Funktioniert Chartanalyse oder nicht? Es geht da um viel Geld, das hat auch irgendwie etwas mit Mathematik zu tun also vermuten wohl die meisten Leute: Es wird verwendet (auch professionell) also muss es wohl funktionieren. Gerade in der Wirtschaft setzt sich doch das beste durch! Was aber, wenn es für das ganze “Problem” einfach keine Lösung gibt?
In einer recht aktuellen Untersuchung wurde festgestellt, dass sich in Berufen welche stärker auf Zufall angewiesen sind Aberglaube stärker wiederfindet. So sind im Schnitt Sportler abergläubischer welche eine Sportart ausüben die mehr auf Zufall basiert und Hochseefischer sind im Schnitt abergläubischer als Fischer die nahe der Küste fischen.
Es geht hier um Kontrolle. Je weniger Kontrolle der Mensch über den Ausgang eines Vorganges hat desto eher glaubt er Kontrolle über dubiose Rituale herstellen zu können. Es wäre also keine allzu abwegige Theorie anzunehmen, dass sich die Chartanalyse nur desswegen gehalten hat, weil der Markt und die Wirtschaft eben gerade nicht vorherbestimmbar sind. Das Ergebnis das ich an den Börsen erziele hängt eben gerade nicht davon ab was ich tue sondern was der Markt tut. Ganz abgesehen davon verdienen in der Zwischenzeit natürlich auch einfach sehr viele Leute ihr Geld dadurch, dass andere Leute glauben die “Spezialisten” wüssten besser was mit dem Geld zu tun ist.
Beim Audioequipment denke ich ist die Herkunft dieser pseudowissenschaftlien Annahmen ein anderer. Leute wollen mehr für ihre Ausrüstung zahlen, als eigentlich notwendig wäre und diesen Bedarf deckt der Markt ganz einfach. Quasi Audioplacebo. Wenn es teurer ist muss es auch besser klingen. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich momentan auch bei den ganzen elektronischen Gadgets wie Handy oder Mp3-Player. Die Reichen wollen natürlich auch hier das Exquisiteste haben und darum werden einfach auf industrielle Massenprodukte Diamanten geklebt und so getan als würde das Produkt an sich dadurch besser.
Ich möchte jetzt von keinem der Oben angeführten Dinge konkret behaupten, dass sie völliger Blödsinn sind. Dafür habe ich zu wenig Recherche betrieben. Alles was ich sagen möchte ist, dass es sicher keine schlechte Idee ist, bei diesen Punkten etwas vorsichtig zu sein und nachzuhaken. Vieles davon “riecht” zumindest ganz schön nach pseudowissenschaftlichem Unfug.