Belebt oder unbelebt?

HIV VirionIn der Biologie gibt es immer wieder “Streit” um die Frage ob jetzt ein Virus lebt oder nicht. Im Grund genommen ist ein Virus nur ein Stück Erbinformation welches in eine Hülle verpackt ist um zwischen Zellen und Wirten “wandern” zu können. Teilweise sind in diesem Transportvehikel noch diverse Enzyme enthalten die für das Virus wichtige Funktionen ausüben. Im Allgemeinen wird daher ein Virus als nicht belebt definiert.

Auf der anderen Seite gibt es Bakterien die ebenfalls parasitisch nur innerhalb von Zellen leben können und die teilweise so viele ihrer eigenen Gene “aufgegeben” haben, dass ihnen komplette Stoffwechselwege fehlen welche vom Wirt übernommen werden müssen. Das ganze ist bei Mitochondrien und Chloroplasten bis auf die Spitze getrieben.

Dabei handelt es sich um die “Kraftwerke” der Zelle (welche auch in jeder Zelle des Menschen zu finden sind) und die Teile in Pflanzen, welche für die Photosynthese zuständig sind. Die Heute im Allgemeinen anerkannte Theorie zu ihrer Entstehung ist, dass es sich hierbei vor langer Zeit um Bakterien gehandelt hat, welche von anderen Zellen aufgenommen wurden und Teile des Stoffwechsels der Zelle übernommen haben. Auf der anderen Seite haben diese Bakterien im Laufe der Zeit faktisch ihren kompletten Stoffwechsel und einen Großteil ihrer Gene verloren und dienen nur noch als hochspezialisierte Reaktionsräume für spezielle Vorgänge des Stoffwechsels. Mitochondrien und Chloroplasten würden die meisten Biologen vermutlich auch nicht als selbstständig lebendig bezeichnen. Irgendwo auf dem Weg verliert also offenbar ein Parasit seinen Stellenwert als Lebewesen.

In meinen Augen haben viele Biologen noch immer eine Blockade. Sie ziehen aus diesem Dilemma noch immer nicht den richtigen Schluss. Die meisten anderen Menschen tun das natürlich auch nicht, aber ihnen ist meistens ja nichtmal das Dilemma bekannt. Statt sich zu streiten und darüber zu debattieren was jetzt lebendig ist und was nicht, sollte der eigentlich richtige Schluss sein, dass das Konzept von belebt und unbelebt einfach falsch ist. Es gibt keine Grenze weil es die beiden Kategorien einfach nicht gibt. Es gibt keinen, dem Universum zugrundeliegenden Unterschied, zwischen belebt und unbelebt. Hinreichend komplexe chemische Reaktionen, welche diverse Eigenschaften besitzen werden als belebt kategorisiert. Aber natürlich ist diese Einordnung willkürlich und in der heutigen Zeit in meinen Augen auch nicht mehr notwendig.

Welchen Unterschied sollte es machen ob Viren leben oder nicht?  Eine Einordnung in diese beiden Kategorien führt zu keinerlei Erkenntnisgewinn und ist desshalb eigentlich sinnlos.

Aus genau den selben Gründen ist es auch nicht wirklich sinnvoll zu Fragen ab wann z.B. ein Roboter lebendig ist. Irgendwann werden die Leute einfach das “Gefühl” bekommen, dass da etwas Lebendiges steht und in Wirklichkeit ist ja das der interessante Punkt. Ob der schwarze Rand in der Dusche jetzt per biologischer Definition lebt oder nicht wird die Einstellung dazu in weiten Bevölkerungskreisen kaum ändern. Es ist halt einfach Schmutz und die eigentlich wichtige Frage ist, ob der Schimmelentferner besser wirkt wie das Mittel gegen Kalk.

Eine Reaktion zu “Belebt oder unbelebt?”

  1. Lutsi Fair

    Nach neueren Theorien über die Entwicklung des Lebens ist ja auch das Virus näher am Ursprung des Lebens als die Bakterien oder andere Einzeller. Leben ist ja die Fähigkeit eines Moleküls, Kopien von sich selbst anzufertigen. Heute ist’s bei allem bekannten Leben DNA, welche sich kopiert.

    Es sind aber auch andere, allgemein als anorganisch gesehene Moleküle in der Lage, unter geeigneten Umständen Kopien von sich selbst zu machen. Z.B. kann ein Salzkristall in einer übersättigten Salzlösung den Kristallbildungsprozess auslösen und damit millionenfache Kopien der eigenen Kristallstruktur zu fertigen. Gibt es nun noch Variationsmöglichkeiten der Kristallstrukturen, dann wird daran sofort die Darwinsche Auslese ansetzten und “optimieren”.

    Man geht inzwischen davon aus, dass das die Richtung ist, in der geforscht werden muss, um dem Leben auf die (Ur-)Sprünge zu kommen. In jedem Falle scheint es so zu sein, dass die Eiweißhülle, die wir heute als Zelle ansehen, erst später hinzugekommen ist. Vermutlich als Schutz der Molekülketten gegen “Gefressenwerden” durch andere Molekülketten.

    Für Viren war wohl diese Eiweißhülle aber eher hinderlich.

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