Kann man sich für Gott entscheiden?
Ich bin über diesen Beitrag bei futur:plom mal wieder auf eine grundsätzliche Frage gestoßen die meiner Meinung nach zu wenig diskutiert wird. Und zwar: Kann man sich tatsächlich aktiv für den Theismus entscheiden?
In vielen Diskussionen, gerade zwischen Atheisten und Theisten, wird scheinbar oft angenommen Religiosität wäre etwas das man sich aussuchen kann wie die Nachspeise im Restaurant.
Natürlich kann sich die religiöse Ausrichtung während des Lebens ändern. Insofern glaube ich nicht, dass Theismus oder Atheismus etwas ist das in den Genen festgeschrieben steht. Allenfalls gibt es vielleicht bestimmte Persönlichkeitstypen die eher zur einen oder anderen Seite neigen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich mich frei für eine der Seiten frei entscheiden kann.
Es hat durchaus eine Zeit in meinem Leben gegeben in der ich angenommen habe, dass ich als tiefreligiöser Mensch vermutlich glücklicher durchs Leben gehen würde. In der Zwischenzeit bin ich in meinem atheistischen Weltbild soweit gefestigt, dass ich mir nicht vorstellen kann als religiöser Mensch die gleiche Freiheit zu empfinden welche mir der Atheismus ermöglicht. Aber auch zu einer Zeit als mir der Theismus lieber gewesen wäre stand nie zur Debatte plötzlich nicht mehr atheistisch zu sein. Nur weil mir damals eine Welt mit Gott lieber gewesen wäre heißt das noch lange nicht, dass ich sie nicht auch damals schon für recht unwahrscheinlich und reichlich absurd gehalten habe.
Vielleicht hat die Wahl zwischen Atheist und Theist doch einiges mit dem Aussuchen einer Nachspeise zu tun. Natürlich könnte ich das Lavendelparfait statt dem Schokoladeneis nehmen. Deswegen würde es mir aber trotzdem nicht schmecken und ich müsste den ganzen Abend lang mit dem penetranten Nachgeschmack leben und dem Schokoladeneis nachtrauern. Ich kann mir eben nicht aussuchen was mir schmeckt und was nicht.
Bringt also die ganze Diskussion überhaupt nichts? Wie schon gesagt: Ob man sich für das eine oder das andere entscheidet steht vermutlich nicht fix in den Genen. Natürlich kann man durch das eigene Auftreten, die eigenen Ansichten und Ideen Menschen in eine bestimmte Richtung beeinflussen, man sollte nur nicht annehmen man könnte einen Menschen davon überzeugen, dass es klüger oder logischer wäre atheistisch zu sein und darüber bewirken dass ein Theist plötzlich zu einem Atheisten wird.
Nur weil Lavendelparfait gesünder und exklusiver ist als Schokoladeneis fängt es mir auch nicht plötzlich an zu schmecken.
Am 30. Oktober 2009 um 22:04 Uhr
hey,
wollt dich mal was fragen (hab leider kein ‘Kontakt’ gefunden, deshalb gibts hier nen Komment):
Wenn ich das richtig verstehe glauben Atheisten an nichts, oder anders Formuliert an die Selbstbestimmung sowie Wissenschaft etc… schön und gut. Nur was mir in letzter Zeit auffält ist, dass sich massenweise Atheisten es sich zur Aufgabe gemacht haben, die ‘Gläubigen’ zu Heidenisieren (lustiges Wort :P). Nun die frage, für was? Ich meine ‘who the fuck cares what other do, think or belive - i don’t give a fuck’…wiso sich als Atheist aufregen über die ‘Gehirnwäsche’ der Anti-Heiden?
Sry wollt nur mal fragen, ich vertrete die ‘i don’t give a fuck’-Glaubensrichtung =)
Gruss
pablo
Am 18. November 2009 um 15:35 Uhr
Ich denke es geht einfach darum in wie weit sich die Religion in alltägliche Angelegenheiten einmischt. Bei uns hält sich das einigermaßen in Grenzen, in Amerika ist das das schlimmer und wenn die katholische Kirche in Afrika predigt, dass man keine Kondome verwenden darf und dadurch eindeutig einfach jede menge Menschen sterben, dann hab ich damit als Atheist ein Problem.
Zudem geht man als Atheist natürlich schon davon aus, dass die Welt ein besserer Ort wäre wenn mehr Leute Atheisten wären. Insofern macht man halt “Werbung” für den Atheismus. Man wird sicher nicht den einzelnen beeinflussen können, aber man kann zumindest ein kulturelles Umfeld schaffen in dem es eine echte Option ist Atheist zu sein. Was z.B. in bestimmten Teilen Amerikas nicht der Fall ist.
Letztlich ist der Atheismus aber in meinen Augen eh nur der erste Schritt zum Skeptiker. (Auch wenn es durchaus einige Leute gibt, die Skeptiker und Religiös sind. Aber das ist eher die Ausnahme.)