Die menschliche Intelligenz - Ein “Unfall” oder unausweichliche Konsequenz der Evolution?
Im “Skeptics Guide to the Universe” wurde vor einigen Folgen darüber diskutiert, wie wahrscheinlich es wohl sein mag, dass sich etwas wie menschliche Intelligenz entwickelt. Dort wurde als Argument für die Unwahrscheinlichkeit angegeben, dass es relativ lange gebraucht hat bis sich der Mensch entwickelt hat. Auch wenn ich dieses Argument durchaus nachvollziehen kann und auch glaube, dass es stimmt gibt es da einige Probleme. Die Erde könnte hier einfach völlig von der Norm abweichen. Man hat eben nur ein “Ereignis” das man untersuchen kann.
Meiner Meinung nach gibt es bei weitem bessere Hinweise wenn man die Evolutionsgeschichte unseres Planeten betrachtet.
Zum einen ist anzumerken, dass der Mensch als einzige Art diesen hohen Grad an Intelligenz erreicht hat. Das Fliegen wurde mehrmals im Laufe der Evolution unabhängig “erfunden”. So auch das Auge, Flossen und viele weitere Eigenschaften und Strukturen die sich als nützlich erwiesen haben. Alleine das ist denke ich schon ein Hinweis darauf, dass ein hoher Grad an Intelligenz nichts ist auf was durch evolutionäre Mechanismen häufig selektiert wird.
Weiters kann man beobachten, dass die Intelligenz abseits des Menschen extrem rapide abfällt. Selbst die nächsten Verwandten von uns, die noch einige dem Menschen zugesprochene mentale Eigenschaften besitzen, fallen um Größenordnungen hinter den Menschen zurück. Es gibt viele Tiere von denen man annehmen kann, dass sie einen gewissen Grad an Intelligenz besitzen. So zum Beispiel Kraken, einige Vögel, Delphine, Elefanten usw. Alle diese Arten sind aber auf einem bestimmten Niveau stehen geblieben. Offensichtlich macht ab einem bestimmten Maß an Intelligenz eine Erhöhung aus evolutionärer Sicht normalerweise keinen Sinn mehr.
Selbst am Menschen kann man sehen, dass ein großes Gehirn nicht unbedingt vorteilhaft sein muss. Man geht Heute davon aus, dass die Menschheit vor fast 70.000 Jahren nahezu ausgestorben ist. Vermutlich war die komplette Menschheit auf ca. 2000 Individuen dezimiert.
Ein menschliches Gehirn entfaltet eben seine enorme Nützlichkeit erst dann, wenn auch die “Software” also das kulturelle und technologische Wissen vorhanden ist. Evolutionär müsste also für ein Gehirn selektiert werden, das vielleicht erst in 10.000 Jahren durch kulturelle Evolution seinen wahren Nutzen zeigt. Leider können evolutionäre Mechanismen nur innerhalb sehr kurzer Zeiträume greifen. Es müsste also eine Entwicklung stattfinden, welche schon konkret Überlebensvorteile bietet und trotzdem noch genug Potential für die Zukunft enthält. Betrachtet man die Evolutionsgeschichte der Erde muss man wohl sagen, dass so etwas nicht gerade oft passiert.
Ich denke also, dass es durchaus genug Hinweise dafür gibt, anzunehmen, dass die Evolution zu kultureller/technologischer/menschlicher Intelligenz (oder wie man das was wir besitzen auch immer bezeichnen will) ein sehr sehr seltenes Ereignis ist.
Am 28. Juli 2008 um 23:27 Uhr
Also ich sehe die Sache mit der Wahrscheinlichkeit etwas anders. Wir haben nur ein einziges Ereignis zur Untersuchung verfügbar. Richtig. Wir tendieren deshalb dazu, die Erde in ihren Dimensionen als bestimmenden Faktor der Wahrscheinlichkeit zu betrachten. Um wirklich herauszufinden, wie wahrscheinlich die Entstehung der Intelligenz im Kosmos ist, müssten wir ihn besser kennen. Im Grunde kennen wir ihn aber nicht. Jede beliebige Wahrscheinlichkeitsrechnung kann deshalb gültig sein. Das lässt uns in der Gewißheit verweilen, dass wir absolut gar nichts über die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Intelligenz auf Kohlenstoffbasis sagen können - außer, dass sie zu 100% wahrscheinlich ist, weil wir in diesem Blog Informationen hinterlassen können. Es ist erstaunlich, wie sehr der Stolz der Menschen reicht, wenn sie ohne Grund annehmen, sie seien eine Ausnahme im gewaltigen Raum des Kosmos. Ich nehme an, dass wir eine unbedeutende Spezies auf einem unbedeutenden Planeten sind. Dass diese Ausssage zutrifft ist mehr als wahrscheinlich.
Am 29. Juli 2008 um 15:55 Uhr
Das stimmt natürlich völlig. Allein aus dem Umstand, dass es auf der Erde intelligentes Leben gibt kann man garnichts ableiten.
Das einzige was sich daraus ableiten lässt ist der Umstand, dass die Wahrscheinlichkeit, dass auf einem Planeten wo sich Wesen darüber Gedanken machen können wie wahrscheinlich es ist, dass intelligentes Leben entsteht die entstehung von intelligenten Wesen 100% ist. Das ist aber wohl ein “Nobrainer”. Man kann daraus also auch genauso wenig ableiten, dass die Wahrscheinlichkeit im Allgemeinen 100% ist. Man könnte höchstens sagen, dass die Wahrscheinlichkeit auf keinen Fall Null sein kann.
Nachdem man also aus der Tatsache, dass es den Menschen überhaupt gibt keinerlei Information ziehen kann ist es in meinen Augen schon legitim die evolutionäre Entwicklung zu betrachten und daraus zumindest Hinweise zu extrahieren.
Evolution ist ein Naturgesetz und man kann denke ich schon sehr stark davon ausgehen, dass auch Leben auf anderen Planeten der Evolution unterworfen ist.
Dass von den 13 Mio. Arten auf der Erde (vielleicht auch mehr) nur eine einzige ein solches Intelligenzniveau erreicht hat kann zumindest als Hinweis nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden.
Das ganze hat übrigens nicht viel mit Stolz zu tun. Ich bin ja nicht stolz darauf, dass die Menschen intelligent sind. Ich hab nichts dazu beigetragen und wenn man mal von kultureller Evolution absieht hat auch sonst kein Mensch dazu beigetragen dass er intelligent ist. Das ist halt Evolution.
Ich glaube auch, dass es im Universum genug gleich intelligente oder intelligentere Zivilisationen gibt. Das Universum ist riesig und ich glaube auch nicht, dass die Entstehung von intelligenten Arten soooo Unwahrscheinlich ist.
Was ich aber nicht glaube ist, dass auf jedem Planeten auf dem Leben entstanden ist und in Folge der Evolution auch vielzelliges Leben entstanden ist automatisch auch intelligentes Leben entsteht. Wie schon gesagt: Hätten die 2000 Menschen vor ein paar 10.000 Jahren Pech gehabt gäbe es jetzt auf der Erde auch kein intelligentes Leben.